Samstag, 8.5.2021, ab 19:30 Uhr Geschichten aus dem Wiener Wald

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Volksstück von Ödön von Horváth

Horváths Milieu ist das der kleinen Leute, seine Leidenschaft sind die großen Porträts junger Frauen. Marianne heißt die Tochter des despotischen Scherzartikelhändlers, der „der Zauberkönig“ genannt wird. Verlobt ist sie mit dem Fleischer Oscar. Ihn ihre große Liebe nennen, hieße lügen. Ausgerechnet auf ihrer – sogenannten – Verlobungsfeier verliebt sich Marianne in den Hallodri Alfred. Der ist ein Tunichtgut und treibt sich eher auf der Rennbahn als dem Arbeitsamt herum, doch was sich Marianne in den Kopf gesetzt hat, hat sie sich in den Kopf gesetzt.

Horváths Stück, geschrieben Ende der 1920er Jahre in der Zeit der Wirtschaftskrise und katastrophaler Arbeitslosigkeit, ist ein Schlüsselwerk des modernen Dramas und der von Horváth selbst begründeten Tradition des modernen Volksstückes. Erich Kästner nennt Geschichten aus dem Wiener Wald „ein Wiener Volksstück gegen das Wiener Volksstück“. Lakonisch demaskiert Horváth das Klischee von der Wiener Gemütlichkeit und stellt unter Verwendung ihrer Stereotypen deren Verlogenheit zur Schau. Und in der Luft ist ein Klingen und Singen – als verklänge irgendwo immer wieder der Walzer Geschichten aus dem Wienerwald von Johann Strauss.