Donnerstag, 15.10.2020, ab 20:00 Uhr Der Nino aus Wien

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Der "Bob Dylan vom Praterstern" (Falter) und Neuerfinder des Wienerlieds doziert in Sachen feinster Poesie, brachialem Humor und gehobener Songwriting-Kultur.

"Ja, Der Nino aus Wien hat 2008 ganz nonchalant das Wienerlied neu erfunden", schreibt die Hamburger Elbphilharmonie anlässlich des Festivals "Ganz Wien", bei dem Nino Mandl neben Ernst Molden, Willi Resetarits und anderen Anfang März 2020 mit dabei war. Und nach dem 10. Album, gefühlten 17 Amadeus-Nominierungen, einem tatsächlichen Amadeus-Award 2016, mehr als zehn Jahren auf vielen Bühnen des deutschsprachigen In- und Auslands ist das auch wirklich nicht zu großspurig gesagt.

Wer trotzdem daran noch Zweifel hegt, sollte selbige ehestmöglich ausräumen. Der Nino aus Wien ist nämlich nicht nur der "Bob Dylan vom Praterstern" (Falter), sondern sogar in Marco Wandas amtlicher Liste der Lieblingsalben der 10er Jahre vertreten. Mit Platz 1 bis 3, meine Damen- und Herrschaften!

"Der Nino aus Wien", erschienen 2018, hat bei Marco nur die Bronzene geholt, was auch schon das einzige ist, worüber man streiten könnte. Es ist wahrscheinlich das persönlichste Album in Ninos Karriere, gleichzeitig aber auch das mehrdeutigste. Die Texte erschließen sich manchen erst nach mehrmaligem Hören, anderen vielleicht auch gar nicht. "Wach" bezeichnet Nino als "vielleicht das beste lange Lied, das ich je geschrieben habe". Es ist ein Tourtagebuch, das wohl nur er selbst gänzlich verstehen kann. "Unentschieden gegen Ried" ist ein Protestlied gegen das mäßige Niveau in den österreichischen Fußball-Profiligen. Sehr zum Gaudium der Fußballfans (weniger vielleicht der Vereine), sicher aber für alle Tifosi gehobener Songwriting-Kultur.

Abgesehen von Seitensprüngen, wie der Mitarbeit an André Hellers letztem Album "Spätes Leuchten", ist plattentechnisch beim Nino - soweit aus dem 22. Hieb herausgedrungen - nix Neues zu vermelden. Aber wer weiß schon, was ihm da oben an der Elbe, bei Eisbein und Korn, so in den Sinn geschossen ist. "Der beste junge Liedermacher seines Landes" (noch einmal der Falter) wird es bei seinem Linz-Besuch sicher erzählen.