Samstag, 11.7.2020, 10:00 bis 15:00 Uhr Vorwärts, Genossen, Es geht überall zurück

Ausstellung Stifterhaus Wiesinger

In Leben und Werk des Linzer Schriftstellers Karl Wiesinger spiegeln sich jene Konflikte, Umbrüche und Erstarrungen wider, die das „Zeitalter der Extreme“ (Eric Hobsbawm) prägten: die Totalitarismen des Faschismus, des Nationalsozialismus und Stalinismus, die Spannungen und Stellvertreterkriege des Kalten Krieges, die Kämpfe um Entwicklung, Bildung und Ressourcen zwischen Geschlechtern, Klassen und Nationen.

Als Kind der Zwischenkriegszeit wächst Wiesinger in einen permanenten politischen Ausnahmezustand hinein. Spätestens mit dem Einmarsch der NS-Truppen setzt ein Prozess der bewussten Politisierung ein, der ihn im Dritten Reich zunächst zum Widerstandskämpfer macht und nach dem Kriegsende publizistisch aktiv werden lässt. Da ihm eine bürgerliche Berufsexistenz aufgrund einer kriegsbedingten Tuberkuloseerkrankung weitgehend unmöglich ist, entwickelt er sich zum Kämpfer an der Schreibmaschine, der die Zeitgeschichte aus der Perspektive des überzeugten Kommunisten kommentiert. Im kulturellen und politischen Leben der Linzer Nachkriegszeit wird er zu einem Beobachter und Aktivisten, von dem immer wieder provokante Impulse ausgehen.
Der zuweilen propagandistische Duktus seiner Texte ist nur vor dem Hintergrund der engen Verzahnung seiner Biografie mit den Entwicklungen des „kurzen 20. Jahrhunderts“ (Iván T. Berend) zu begreifen, von dem er in seinen Schriften ein leidenschaftliches Zeugnis ablegt. Die Ausstellung gestaltet sich deshalb als Parallelerzählung von Leben/Werk und Zeitgeschichte. Der seit 2012 im Adalbert-Stifter-Institut befindliche Nachlass Wiesingers bildet die stoffliche Grundlage für die Rekonstruktion der Biografie eines politischen und literarischen Außenseiters samt seinen zuweilen überraschenden Wendungen.
 

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