Donnerstag, 12.3.2020, ab 20:30 Uhr Kristoff- Jam Session

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Jam-Session im CulturCafé Smaragd

Christoph Jarmer ist als KRISTOFF bei sich selbst angekommen.
Viele Jahre war er Gitarrist in der von ihm mitgegründeten Band Garish. Dann folgte Esteban’s, ein Projekt mit tendenziell schwermütigen englischsprachigen Indie-Songs. Dann kam Oberst Stern, der als Jarmers alter ego mit einer Kombination aus Dialekt und Beats von sich reden machte.
Am Valentinstag anno 2020 veröffentlicht Christoph Jarmer unter einem Künstlernamen, der seiner Identität so nahe wie kein Pseudonym zuvor kommt, seinen Erstling „Aus da Haut“. Es ist tatsächlich eine Häutung. Möglicherweise eine finale.
Das Album versammelt elf poetisch-melancholische Dialekt-Lieder aus Kristoffs Feder, die musikalisch am ehesten an den US-Folk-Rock der 1970er erinnern und doch völlig eigenständig, zeitlos und in Österreich so noch nicht gehört erklingen.
Laut Kristoff selbst ist „Aus da Haut“ eine Rückbesinnung auf seine musikalische Herkunft und seine Stärken, und gleichzeitig ein lang ersehnter und vorbereiteter Neuanfang. Dass das Album schwer einem musikalischen Genre zuzuordnen ist, noch schwerer aber in ein Marketing-Konzept verpackt werden kann, ist kein Zufall, denn Schubladen sind ihm, so sagt er, zuwider. Wenn ein Song richtig zupackt, spielt das Genre schließlich keine Rolle. Hauptsache, man unterliegt keinen falschen Trends und lässt sich vom vielbeschworenen Zeitgeist nicht einengen. Was das Album Kristoff zufolge trotzdem typisch österreichisch macht, ist sein Anspruch, Derbes und Ergreifendes unter einem Hut zu vereinen.
In seinen Texten stellt Jarmer keine Fragen, er stellt fest. Mit stark bildlichen Phrasen wie „Mei Herz, es tropft“ oder „Du bliatst an da Hand“, einem Auszug aus seiner ersten und als „Folkballade für schwere Stunden“ beschriebenen Single „Du bliatst“, lässt er wissen, was er denkt, ohne zu verraten, was er meint. „Künstler ist nur einer, der aus der Lösung ein Rätsel machen kann.“, soll Karl Kraus einst gesagt haben (oderwares André Heller?). Gemäß dieser Definition hat Kristoff das Prädikat Künstler redlich verdient, denn seine Texte leben vom Mysteriösen, vom Vagen und davon, dass er seine Gedanken und Emotionen in oftmals raue und nicht immer greifbare Bildsprache packt. Es bleibt also Spielraum für Interpretationen, und das ist gut und notwendig so. Den Titel „Aus da Haut“ hat er gewählt, weil es für ihn zum Aus-der-Haut-Fahren ist, dass er nicht aus seiner Haut kann. Es ist also die Auseinandersetzung mit sich selbst im Kontext des Zwischenmenschlichen, die Kristoffs Erstling inhaltlich definiert.
Wie jeder Neuanfang ist auch „Aus da Haut“ ein Experiment und Wagnis. Es ist der Versuch eines erfahrenen und gereiften Musikers, die ihm gebührende Beachtung und Anerkennung zu finden, indem er seinen bisher authentischsten, ehrlichsten, verletzbarsten und zugleich kraftvollsten Kurs einschlägt. Die Zeichen stehen gut.