Mittwoch, 18.3.2020, ab 20:00 Uhr Kibbutz Contemporary Dance Company: Asylum

Kibbutz Contemporary Dance Company | Asylum

Rami Be’er, der vielleicht politisch aktivste Choreograph der Gegenwart, beschäftigt sich in seinem neuen Stück mit den allgegenwärtigen Themen Einwanderung, Fremdenhass und dem Schicksal Asylsuchender. Dabei entsteht ein Bilderbogen auf höchstem tänzerischen Niveau, der ebenso zu verblüffen wie zu berühren versteht. Österreich-Premiere.

Tanz kann unsere Probleme nicht lösen, aber er kann unsere Existenz in Frage stellen. Es ist keine Unterhaltung, einfach nur zu sitzen und zuzusehen. Schließlich streben wir als Menschen danach, ein Asyl zu finden ‐ einen sicheren Raum, in dem wir selbst als Künstler und als Mensch sein können." (Rami Be'er)

Es sind die brennenden Fragen der heutigen Gesellschaft, die den Choreographie-Star Rami Be'er beschäftigen. 1957 in eine Familie von Holocaust-Überlebenden geboren, übersetzt der israelische Künstler seine Erfahrungen, sein Unbehagen und seine Identitätskrisen in die universelle Ausdrucksweise des Tanzes.

In "Asylum", dem neuesten Werk der weltberühmten Kibbutz Contemporary Dance Company thematisiert Be'er die weltweit schwelende Problematik von Migration, Asylsuche und Fremdenhass. Asyl ist für Rami Be'er nicht einfach ein Ort, sondern eine geschützte Zone und ein intimer, spiritueller Zustand. Der Choreograph hinterfragt die menschliche Existenz in einer Sprache, frei von Fakten und Worten, und regt den Betrachter zum Nachdenken an.

Es sind anrührende Geschichten von Unmenschlichkeit, Ausweglosigkeit und Hoffnung, die sich die TänzerInnen im kalten Scheinwerferlicht direkt aus dem Herzen zu reißen scheinen. In expressiven Gesten und berührender Mimik durchleben sie Stationen von Fremdheit, sie verlieren sich, müssen bestehen und finden Trost an unerwarteter Stelle. Berührend und verblüffend zugleich nähern sich die hochkarätigen PerformerInnen dem komplexen Thema an. Die Kälte von Flüchtlingslagern, körperliche Erschöpfung und qualvolle Sehnsucht - all das gießt Choreograph Be'er in hyperpräzise, fein ziselierte Tanzsequenzen, die geprägt sind von Atemlosigkeit, höchster Anspannung und dem verzweifelten Versuch, in einer gesichtslosen Masse man selbst zu bleiben. Gesteigert wird die intensive Atmosphäre des Stückes durch die aufwühlenden und wohltemperierten Soundcollagen, die "Asylum" zu einem hypnotischen Theaterereignis machen.