Dienstag, 17.3.2020, ab 19:30 Uhr Enigma - Geheimnis einer Liebe

Enigma

Tragikomödie von Eric-Emmanuel Schmitt

Man kann einem Menschen nahe sein, ohne mit ihm zu leben, man kann sich von einem Menschen entfernen, auch wenn man Tisch und Bett mit ihm teilt. Aber: „Wen liebt man, wenn man liebt? Man weiß es nicht.“ Das sagt der kleine Provinzjournalist Erik Larsen dem großen und menschenscheuen Literaturnobelpreisträger Abel Znorko, der ihm auf seiner einsamen Insel eines seiner seltenen Exklusivinterviews gewährt. Aber was veranlasst einen so großen Dichter ausgerechnet einen Vertreter eines Lokalblättchens zu empfangen? Und nicht nur das, als Larsen gehen will, da ihn Znorko wiederholt beleidigt, lässt dieser ihn nicht mehr fort.

Ein großes Rätsel liegt in der Luft, ein Geheimnis, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht, die man zwar nicht sieht, um die sich aber alles dreht. Zunächst noch als literarische Figur in Znorkos aktuellem Bestseller-Briefroman „Die uneingestandene Liebe“, dann aber immer mehr als reale Figur, die im Leben beider Männer eine sehr große Rolle zu spielen scheint.

Unserem Theaterpublikum erschließt sich dabei die wunderbare Geschichte hinter diesem Briefroman, mit dem der unnahbare Znorko sein Lesepublikum mehr als überraschen konnte, weil es sein sensibelstes, sein schönstes und intimstes Buch geworden ist. Von Larsen darauf angesprochen, ob es biografisch sei, weist Znorko jeglichen persönlichen Hintergrund barsch zurück. Doch im Lauf des Gesprächs, als die beiden Männer zunehmend aufhören einander etwas vorzuspielen, wird der Mensch hinter dem weltberühmten Autor sichtbar: Ein Mann, der nur auf dem Papier ein Held ist, der seine Ruhe haben will und Angst hat vor Nähe und Geborgenheit. Der mit Gefühlen, die ihn betreffen, nicht umgehen kann, die er daher in die Literatur verfrachtet, so als wären sie reine Erfindung.

Aber genau diesen Menschen hat die Liebe zu einer Frau vor Jahren wie ein Blitz getroffen. Zufällig und unerwartet in seinem Spott. Er hat sie wochenlang wie im Rausch gelebt, dann aber nicht mehr ertragen, hat sie fortgeschickt, auf Papier verbannt und als Briefliebe fortbestehen lassen. Ein schwerer Fehler, wie sich nun herausstellt, denn das Leben ist vergänglich und: „Wen liebt man, wenn man liebt? Man weiß es nicht.“

Subtil, spannend, geistreich und zutiefst berührend, mit überraschenden Wendungen und ganz großen Gefühlen, enthüllt sich in diesem pointierten dialogischen Kammerspiel Schritt für Schritt eine große, rätselhafte Liebesgeschichte, die staunen macht und das Phänomen Liebe und Freundschaft universell und sensibel beleuchtet. Eine Liebeserklärung auch an das Wort, denn es geht um eine Liebe in Briefen, die sich, losgelöst von Körperlichkeit und Alltag, über alle Distanzen erhebt und hofft, in der Sehnsucht und Imagination ihre Erfüllung zu finden.

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