Dienstag, 9.3.2021, ab 20:00 Uhr Algiers

Posthof_aussen

Mit dem jüngsten, dritten Album hebt die Industrial-Soul-Urgewalt aus Altanta ihren dringlichen, fiebrigen Sound auf ein neues Label. Stichwort "Meisterwerk"!

"'Was ist das eigentlich?' - diese Frage begleitet Algiers Zeit ihres Bestehens und sie teilen sie mit den beiden Bands, die ihnen stilistisch am nächsten kommen, den schottischen Young Fathers und TV On The Radio aus New York. Beantwortet wird sie auch mit dem neuen, dritten Studioalbum nicht, und wer halbwegs wachen und offenen Geistes durch diese Welt geht, der kann darüber nur froh sein. Denn an Energie, Wucht und Ideenreichtum haben die vier Musiker aus Atlanta rein gar nichts verloren. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, dass sie auf 'There Is No Year' (experimentierfreudig und düster waren sie ja seit jeher) noch wütender und entschlossener zu Werke gehen. Zerstörerisch möchte man das nicht nennen, weil ja genau das eines der Hauptthemen ist, welches sie textlich in der Gesellschaft um sie herum anprangern und beklagen: Die anhaltende Spirale aus Gewalt, Entmenschlichung, zunehmender Armut und Zerstörung der Lebensgrundlagen ist es, was sie umtreibt, zu dystopischen Metaphern und harten, disruptiven Klängen greifen läßt.

Schnelle, hämmernde Basskasskaden, geloopte Beats wie beim Eröffnungstrack oder später in 'Unoccupied', wütender Punk gar für den Kehraus 'Void' und auch dazwischen viel schwergewichtiger, kunstvoll geschichteter und synthetisch veredelter Krach - der Sound packt einen und lässt bis zum Schluss nicht locker. Ihrer Vorliebe für Soul, Blues, Spirituals und auch den Jazz lassen Algiers einmal mehr freien Lauf, das wunderbare 'Chaka' kommt als Reminiszenz an die schon zu Lebzeiten legendäre Sängerin Chaka Khan mit Sax-Solo ebenso überzeugend daher wie die Verweise auf den No-Wave von Suicide und die Synthpopper Depeche Mode. Letztere liegen ihnen näher, als manche/r denken mag, schließlich haben sie für Gore und Gahan schon als Remixer gearbeitet und konnten auf der letzten Tour der Briten gar im Vorprogramm glänzen - Stücke wie 'Hour Of The Furnances' oder die crispy Gitarren von 'Repeating Night' zeugen von einer nicht eben losen Wahlverwandtschaft. Stilistisch ist das allerhöchste Schule und von einer Kraft, die, gerade bei entsprechender Lautstärke, nachhaltig beeindruckt.